Theaterwochen der Superlative in Niederburg

dastobi 2014 426In der Regel jedes zweite Jahr herrscht in Niederburg der Ausnahmezustand: Der größte Teil der Niederburger Jugend ist versammelt auf einen Platz zu finden; DASTOBI bereitet Theaterwochenenden für ein immer wieder begeistertes Publikum vor.

Die gemeinsamen Proben beginnen im zeitigen Frühjahr mit Lese- und ersten choreographischen Übungen in Privathäusern und im Generationenhaus. Davor liegen schon die aufwändigen Lese- und Videoproben für die Auswahl des Stückes. Alles in Allem ist der Kern der Gruppe rund ein Jahr lang mit den Vorbereitungen und den Aufführungen der auf großen Bühnen gezeigten Stücke unterwegs. Die weitere fast fünfzigköpfige Akteuren Schar hat über rund sieben Monate einen immer enger werdenden Terminplan, der mit kleinen Motivationslöchern bestückt ist und dann doch zum Schluss letztendlich den ganzen Einsatz fordert.

Die Auswahl viel auf ein Stück der ganz besonderen Art. Ausgewählt wurde – La Cage aux folles „Ein Käfig voller Narren“ von Jaen Poiret, ein Stück voller aufsitzendem Glitter und Schminke. Dieses Stück wurde zu einem der erfolgreichsten Theaterstücke aller Zeiten. Das Schein und Sein der menschlichen Gesellschaft trotz aller aufgesetzter Masken und Probleme noch Menschlichkeit und Toleranz überwiegen zu lassen und letztendlich eine für alle tragbarer Weg für alle Betroffenen zu finden, ist die Quintessenz des Stückes. Die Toleranz der Gesellschaft gegenüber dem gleichgeschlechtlichen Leben hat in den 30 Jahren seit der Uraufführung nicht an Aktualität verloren. Die beiden Hauptdarsteller und der engere Kreis der Darsteller haben restlos in allen Belangen überzeugt. Die Showtänze der männlichen und weiblichen Darsteller waren einfach perfekt inszeniert und halfen mit bei der Überzeugung des Publikums.dastobi 2014 519

Nach der Aufführung der Passion Christi mit einem bisher in Niederburg nie dagewesenen Erfolg im vergangenen Jahr jetzt nun wieder die Annäherung an eine sozialkritische Materie. Die Grundlage für die übergroße Nachfrage nach Karten der fünf Vorstellungen wird immer bei den davor liegenden Theaterereignissen gelegt. Mittlerweile nehmen die Zuschauer weite Anfahrtswege im Kauf um mit dabei zu sein bei den mit hohem Anspruch auf die Bühne gestellten Stücken. Die Schminkkunst der Maskenbildnerinnen wurde enorm gefordert und war zeitaufwändig.

Egal ob die Ausstattung mit Kleidern, die alle im Dorf selbst entworfen und von einer Schneiderin gefertigt werden oder die Showtreppe mit einer sagenhaften Leichtigkeit sind alles Original Niederburger Produktionen. Bühnenbau, Requisiten, Verdunkelungen, Gemälde, Plakate, Fotobearbeitungen, Licht- und Musikprogramme, an alles haben junge Niederburger Hand angelegt und dem unverwechselbaren Qualitätsanspruch auf die Beine geholfen.

Die Organisation des Kartenverkaufs kommt einem Drahtseilakt gleich, bis zum letzten Platz ausverkauft und dann die „unbedingt nötigen Reserven“ auch noch schaffen ist eine Mammutaufgabe.

dastobi 2014 890Die Gratulation gilt der ganzen Truppe, die wieder einmal bewiesen hat, was erreichbar ist, wenn man diszipliniert zusammenarbeitet. Zu danken gilt es Allen, die dabei waren, ganz besonders Marlene Lenz, die es wieder geschafft hat ein besonders Theatererlebnis auf die Bühne zu stellen. Nicht nur das ist es was ihre Arbeitsweise so wertvoll macht: Sie verwirklicht zum Einen ihren Traum vom Theaterleben auf dem Dorf und gibt seit mehr als zehn Jahren den jungen Menschen des Dorfes ein mit Geld nicht aufzuwiegendes Gefühl des Gebrauchtwerdens, der Selbstentfaltung eines jeden Einzelnen an seinem Platz, der Forderung des positiven Unterordnens und eines unvergleichlichen Gemeinschaftsereignisses. Das wird den jungen Menschen unvergessen bleiben, genau wie dem dankbaren, begeisterten Publikum. Zählt man die Zahl der Akteure auf, hinter und neben der Bühne zusammen mit den Helfern beim Betrieb in Theke und Küche und dem Reinigungspersonal so waren fast 200 Niederburg aktiv beteiligt.

Sie sind zu Ende: Tolle Theatertage und ein unbeschreiblich gutes Gefühl beim Nachdenken über das Erlebte, auf der Bühne und dem Drumherum. Danke Allen die dabei waren, Danke Marlene!!

Hermann Josef Klockner, Ortsbürgermeister

 Fotos: Cristina Caballero

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