Generationenverbindung- eine Form des Umgangs mit den Folgen des demographischen Wandels

Generationenhaus NbgDieser Tage erreichte uns eine Einladung des Landrates des Rhein Hunsrück Kreises Bertram Fleck zur Präsentation des Sozialberichtes des Rhein Hunsrück Kreises 2014 vor dem Kreistag. Der Bereichsleiter Herr Stehmann stellte diesen Bericht dem Gremium vor. Im Inhalt einen Aufsatz des Unterzeichners zum Thema Generationenverbindung in Niederburg. Dieser Aufsatz beinhaltet den Anstoß, den Denkprozess und die Entscheidungsfindung der Niederburger Gemeindeführung mit Unterstützung weiter Kreise der Bevölkerung.

Im Nachgang haben wir den Aufsatz als Anlage angefügt.

 

Generationenverbindung- eine Form des Umgangs mit den Folgen des demographischen Wandels.

Ein Vortrag zum Thema „Im Alter zu Hause leben“ stand 2005 im Rahmen einer landesweiten Aktion der Alten- und Seniorenhilfszentren auf dem Programm. Ein Vortrag, dessen Inhaltsangabe nicht unbedingt auf eine weit in die Zukunft reichende Problematik hinweist und eine große Menge an Denkanstößen liefert.

Im Jahr 2005 auf Entwicklungen bis in das Jahr 2020 hinzuweisen und deren Auswirkungen auf Familien, Vereine und ganze Dorfgemeinschaften prognostizieren hat sicher etwas Prophetenhaftes könnte man meinen. Die im Vortrag vorgelegte Altersstruktur des Dorfes, die da schon bestehenden Fakten und die Prognose belehren einen Kritiker anders. Drohende Leerstände von Ortskernhäusern durch allein stehende Senioren ohne familiären Anhang im Dorf sind noch Fremdworte, noch entstehen Neubaugebiete auch größeren Ausmaßes. Die Abwanderung junger Menschen in Ballungsgebiete, dort wo die Arbeitsplätze angeboten werden, stellt eine weitere Problematik dar. Der Hinweis auf die weitere Veränderung der Arbeitswelt, die das Arbeitsleben verlängert, in Zeiten der Vorruhestandsregelungen wirkt nicht unbedingt nachdenklich eher provokant. Die Zunahme von Kleinfamilien mit der Problematik um Alleinerziehende, Doppelverdiener und Schlüsselkinder stellt der Vortragende in seiner Präsentation vor.

Hier setzten im Nachgang die Überlegungen zum Umgang mit diesen Voraussagen in Niederburg ein. Wie geht man als politisch Verantwortlicher mit diesen Aussagen um und wie kann man möglichst viele Dorfbewohner daran beteiligen. Die Suche einem Instrument, das diese und andere zukunftsrelevante Themen aufgreift und die Bevölkerung mitarbeitend einschließt ist die „Dorfmoderation“ im Rahmen der Dorferneuerung. Die Väter des Verfahrens hatten zu Beginn der Aktion in den siebziger Jahren den Namen „Unser Dorf soll schöner werden“ vergeben. Der Zeitenwandel und die Änderungen der Lebensverhältnisse in ländlichen Gebieten haben aus dem damaligen Verschönerungswettbewerb ein zukunftsweisendes Verfahren gemacht. Gerade in strukturschwachen Regionen ist die Analyse der Gegebenheiten und das Nachdenken über die richtigen Wege in die Zukunft wichtiger Bestandteil einer strukturierten Kommunalpolitik vor Ort. Niederburg bediente sich dieser Form der Zukunftserfassung, der „Wunsch Ermittlung“ der Bevölkerung und der Entwicklung der Wege dorthin.

Immer wieder sind es in den Arbeitskreisrunden die auffallenden Erkenntnisse der Teilnehmer, dass allein eine Generation die anstehenden Problemstellungen bewältigen kann. Die Möglichkeiten einer Dorfgemeinschaft sich über Generationen hinweg gegenseitig zu unterstützen und viele Vorteile daraus abzuleiten ohne eine Bevormundung entstehen zu lassen, ist immer wieder Aussage in den Gedankengängen. Die Folge ist das Erkennen, das eine neue Dorfkultur das Leben aller Generationen erleichtern kann und die gegenseitige Freude an einer wieder- oder neu entdeckten Dorfkultur allen hilft mit dem „demographischer Wandel“ umzugehen und die positiven Seiten überwiegen zu lassen.

Profitieren sollen von diesem neuen Umgang der Generationen über alle Grenzen hinweg Kinder, Jugendliche, junge Familien, Senioren jeden Alters und die Erwachsenen. Wichtiger Bestandteil eines funktionierenden dörflichen Lebens sind und bleiben Vereine und Gruppen die in ihrer Aufgabenstellung viele Bereiche des „Miteinanders“ abdecken können. Der Einschluss der religiösen Gemeinschaften in den Diskussionsprozess und in die weiter reichenden Entscheidungen hat sich als fruchtbar erwiesen. Wichtig ist hier eine unkomplizierte Zusammenarbeit aller Beteiligter mit möglichst wenigen persönlichen Animositäten. In aller Regel sind es diese rein privaten Querelen, die diese Zusammenarbeit mit Vorurteilen und Res Antimons stören. Ähnliches kann man auch beim Umgang der Generationen untereinander verfolgen.

Hier gilt es die dörfliche Politik, wenn dieser Ausdruck „Politik“ in diesem Zusammenhang treffend sein soll, darauf einzustellen den Wust an diesen Vorurteilen, Streitpotentialen aufzuweichen und mitzuhelfen abzubauen. Das immer wieder nötige Herstellen von Verbindungen und Gesprächen mit ausgleichenden Absprachen ist einer der wichtigsten Bestandteile dieser Strategie. Unbedingt nötig sind solche organisierten Treffen und das Vorschlagen und Diskutieren der Wege zum gedeihlichen Miteinander.

Ein weiterer dringend nötiger Weg ist die zur Verfügung Stellung entsprechender Räumlichkeit mit den ausgewiesenen Nutzungsmöglichkeiten. Neben den Möglichkeiten der unkomplizierten Kontaktaufnahme der Generationen sollte für die unterschiedlichen Altersgruppen ebensolche Vorrausetzungen geschaffen werden. Die behinderte- und seniorengerechte Ausstattung ist unabdingbar.

Für die Betreuung von Schlüsselkindern kann, neben der Versorgung mit einem Essen eine Nachmittagsbetreuung organisiert werden. Hausaufgabenbetreuung, Spielenachmittage mit Senioren sind Möglichkeiten des Miteinander.

Jugendlichen sollte neben der Nutzung eines eigenen Raumes in Eigenregie zur Förderung der Kommunikation und der Geselligkeit Hilfen zur Berufsfindung und die Möglichkeiten kreativ zu Wirken ermöglicht werden. Neben der Jugendarbeit der Vereine sind es die weiter gehenden Angebote wie Tanzen, Theaterspielen, Basteln, Gestalten usw. die den Jugendlichen die Möglichkeit geben sich mit Freude zu entfalten. Die Jugendlichen dürfen dabei nicht den Eindruck haben, dass hier eine Bevormundung stattfindet, vielmehr sind die Eigenentscheidung und die Übernahme von Verantwortung in ihrem Bereich zu fördern.

Die Generationen der Senioren muss in mindestens zwei Gruppen unterteilt werden. Die der rüstigen und leistungsbereiten älter werdenden Menschen und die Seniorenschaft, die aktiv unterstützt werden muss. Die erstgenannte Gruppe ist nach der Zurruhesetzung in einer Findungsphase, die es für die Gemeinschaft zu nutzen gilt. Immer wieder ist feststellbar, dass gerade im Berufsleben voll ausgelastete Mitmenschen in einer neuen Beschäftigung den Sinn des Lebens suchen und erkennen. Hier haben sich die Vereine und Gruppen als hervorragende Kontakteknüpfer erwiesen. Aber auch die aktive Vermittlung beim Erkennen der Situation ist hilfreich. Daneben können Kontaktangebote für die ältere Seniorenschaft das Leben erleichtern. Vom regelmäßigen Seniorennachmittag unter Gleichaltrigen als auch die Kontakte bei z.B. Erzähl- und Spielnachmittagen gilt es zu nutzen. Die aufmerksame Betreuung der Senioren in der Übergangsphase und die Vermittlung neutraler Hilfen haben sich als vorteilhaft erwiesen und wird gerne angenommen.

Dort wo junge Leute durch ihre berufliche und schulische Bildung mit modernen Techniken problemlos umgehen können, genießen die Senioren das Weiterbildungsangebot durch Jugendliche. Auf dem umgekehrten Weg können junge Menschen von der älteren Generation profitieren, wenn beim Brot- oder Plätzchenbacken im alten Backofen, alte Techniken, aber auch das Vorlesen und Erzählen genießen.
Hier ist die Mitarbeit der dörflich Verantwortlichen gefragt: Die Vermittlung des Kennenlernens der Generationen; die Vermittlung von Verantwortung und sozialer Bindung; der Gesundheitsvorsorge; die Vermeidung von Vereinsamung; die Herstellung von Kontakten zur jungen Generation; das Gefühl der Wertschätzung und des Gebrauchtwerdens; die Hilfe bei bürokratischen Hindernissen und die Hilfe zur Entlastung von Familien die ohne große Zusatzbelastung ihren Berufen nachgehen können. All dies gehört zu dem großen Katalog der Generationenverbindung.

Entstehen kann dabei eine neue Dorfkultur. Nachbarliche Beziehungen und bestehende Strukturen werden nicht gestört, neue Verbindungen entstehen, die Bildung einer reinen Schlafgemeinde wird entgegengewirkt, es entsteht ein neues „WIR-Gefühl“.

Die künftigen Anforderungen, unter Berücksichtigung des demographischen Wandels, sind groß. Die Verbindung der Generationen kann viele Veränderungen begleiten und das Leben erleichtern.

Die Niederburger haben sich vorgenommen und arbeiten daran:

Fit für eine sich verändernde, aber lebens- und liebenswerte Zukunft. Gemeinsam und füreinander da sein:

„Jung und Alt ohne Generationengrenzen“.

Hermann Josef Klockner, Ortsbürgermeister

Ortsgemeinde Niederburg

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