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August – Monatsbetrachtung
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Der August wird Ernte- oder Ährenmonat genannt und als solchen haben wir alten Niederburger ihn gut in Erinnerung. Das Wetter spielte dabei eine wichtige Rolle. Bauernregeln, die Hoffnungen und Voraussagen widerspiegeln, gibt es für den August in Fülle:

Die vordergründigste Arbeit im August galt der Getreideernte. Die Halme standen zu Garben gebunden zum Nachreifen und Trocknen schon seit Juli auf den Feldern und mussten heimgefahren werden. „En dä Kaschde“ hatten es sich inzwischen die Mäusefamilien bequem gemacht. Beim Aufladen sprangen sie fluchtartig davon. Wer gerne Mäuse fing wie ich, für den bekam die Arbeit eine sportliche Note.

Es ist unvergessen, wie die hoch beladenen Leiterwagen, von Kühen gezogen, auf das Dorf zufuhren. Unterwegs mussten wir manchmal anhalten, weil eine Kuh „sayche muschd“. Die Wagen wurden in der Scheune oder im Schuppen untergestellt, bis wir zum Dreschen an der Reihe waren. „Hannesriesems“ hatten eine ganz alte Dreschmaschine und droschen nur für sich. „Scheere Ton hod en Stax Schopp gedresch“, weitere Familien wie „Hochscheijds, Kleine Piere, Kesselersch Paul ure Bille Hein“ droschen für andere Bauernfamilien mit. Im August summte das Dorf wie ein Bienenstock und die Dächer überzogen sich mit einem honiggelben Staub, der sich auch an die kleinen Fensterscheiben hing. Zum Dreschen war wiederum jeder gefragt. Einer reichte die Garben vom Wagen an, ein anderer löste das Seilchen und übergab das Erntegut demjenigen, der an der Dreschbank saß und es mit den Händen einließ. Auch zum Säcke anbinden und überwachen war jemand nötig. Waren sie vollgelaufen, wurden sie gewechselt, zugebunden und auf den Wagen getragen. Wohl denen, deren Dreschmaschine das Stroh nach dem Dreschen wieder band, sonst musste jemand erneut Seilchen legen und binden. Aufgeladen wurde auch der „Kawsack“, der die leeren Ähren, Grannen und Schalen auffing; ein schrecklicher Sack, er piekste einen überall. „Die Kaw“ wurde mit heißem Wasser aufgebrüht an die Kühe verfüttert.

In einem feuchten Sommer schütteten wird das Getreide auf die Speicherböden aus und schaufelten es von Zeit zu Zeit um, damit es nicht stickig wurde. Katzen erwiesen sich als hilfreiche Hausgenossen, sie hielten die Mäusezahl gering. Doch die Plagegeister nagten auch die Säcke an, die im Laufe der Jahre Flicken bekamen.

Bis Maria Geburt, denn ab „do ziehe die Schwalwe furt“, musste auch meist der „Grumet gemach sen.“ „Grumet“, der zweite Grasschnitt, war im Vergleich zum Heu eine fast zärtliche Angelegenheit, weich und krümelig, schwer zum Aufladen. Es gab spezielle Gabeln dafür.

Der Laurenziustag wurde früher in Niederburg sehr festlich mit einem Drei-Herren-Amt begangen. Die Pastöre von Perscheid, Damscheid und Niederburg zelebrierten gemeinsam die hl. Messe und nachmittags sangen Männer wie „de Minister, Mennes Peter un de Rätzmannsunkel“ die Vesper. Heute bin ich überzeugt, dass solche kirchlichen Unterbrechungen der hart arbeitenden Bevölkerung tatsächlich gut taten.

Um den Laurenziustag waren auch die Stangenbohnen groß genug zum Einlegen „en die „Stann“. Sauere Bohnen waren neben dem Sauerkraut ein wichtiger Nahrungsvorrat für den Winter.

Zu Maria Himmelfahrt (15.8.) wurden die Kräuter gesegnet. Zum „Wierzwisch“ gehörten alle Heilkräuter aus Flur und Garten. In einem ruhigen Winkel getrocknet konnten wir im Winter auf sie zurückgreifen.

Zwischendurch wurden für die Kühe „Bliere gemach“, meist eine Arbeit für die Frauen und Kinder. Wir pflückten die Blätter der Runkelrüben mit einem Rundumgriff ab und legten sie zu einer kleinen Last zusammen. Mit einem Strick gebunden trugen einige sie sogar auf dem Kopf nach Hause. Die Blätter wurden mit Stroh vermischt gefüttert und lösten mitunter bei den Kühen Durchfall aus. Auf der Straße spritzten diese flüssigen Kuhfladen weit auseinander, im Stall legten sich die Tiere hinein und es war eine zeitraubende Arbeit, ihnen den angetrockneten Brei wieder vom Fell zu striegeln.

Etwas, das heute nicht mehr so auffällig wahrgenommen wird, war die Tatsache der Sonntagsruhe. Es wurde nicht gearbeitet, es sei denn, die Ernte war in Gefahr. Dann gab es Ausnahmen. Bereits am Samstagnachmittag, spätestens am Abend wurde in Niederburg „die Stroß gekiehrt“. Weder Dung, noch Futter- oder Strohreste lagen sonntags auf dem Hof. Damit es beim Fegen mit dem Reiserbesen nicht staubte, haben wir mit einer Gießkanne vorher gegossen. Dieser ganz bestimmte Geruch, wenn die Wassertropfen auf den trockenen Staub fielen, ist unvergessen.

Heftige Gewitter im Sommer gab es oft. Doch von schlimmen Unwettern wurden wir, offenbar durch den Hohenstein, lange Jahre geschützt. Das Ungewitter vom 27. Juli 2005 wird umso nachhaltiger in unserer Erinnerung bleiben. Von den Älteren wird berichtet, dass 1938 ein ähnliches Gewitter mit Hagel und sintflutartigen Regengüssen über uns hereinbrach, wobei die Dorfstraßen ausgewaschen wurden und die Sturzbäche in den Weinbergen tiefe Graben hinterließen. Durch die Schelle aufgefordert, musste jeder mit seinem Gespann Erdreich und Steine aus dem Steinbruch heranbringen, damit das Dorf wieder begeh- und befahrbar wurde.

© Gerda C. Heidelmann