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Januar - Was taten die Niederburger? Erinnert Ihr Euch?
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Viele Fenster waren zu mit Eisblumen. Mit dem Atem und den warmen Fingern rieben wir morgens kleine Gucklöcher in die Scheiben, um zu sehen, ob es über Nacht wieder geschneit habe. Noch im Nachthemd mit einer warmen Jacke darüber nahmen wir die Ringe vom Herd, um schnell ein Feuer zu machen. Überall herrschte Kälte, nur im Kuhstall war es immer warm. In unserer Schule stand ein großer Ofen, der mit großen Holzscheiten gefüttert werden musste, sonst war es dort auch kalt. - Mit der Kirmes feierten wir das erste Fest im neuen Jahr, da am 2. Weihnachtstag, dem Namenstag unseres Schutzpatrons, keine Kirmes gefeiert werden konnte. Die Kirmesjugend und viele Helfer holten den Kirmesbaum aus dem Wald, schmückten ihn mit Bändern sowie dem Eierkranz und stellten ihn auf.. Doch das Feiern begann erst am Sonntag nach der Messe, zu der die Kirche proppevoll war. Traditionell gab es "Kabbes und Erwes" zu Mittag. Und zum Kaffee "Krimmelekuchen", der tags zuvor auf großen Blechen im Backhaus gebacken wurde. Die "Kierb" war ein Fest für jung und alt mit Tanz, Umzug und Eiersammeln, Trinken und Essen. Wessen altgewordene Augen leuchten nicht auf bei der Erinnerung?

Singen konnten wir wie die Lerchen, denn das übten wir täglich. Jeden Morgen gingen wir zur Messe. Und beim Spülen und Abtrocknen mittags sangen wir auch. Was das Essen anbelangte, jeder Haushalt war sein eigener Selbstversorger für Sauerkraut, ganze eingelegte "Kabbes", saure Rüben und Bohnen. In der "Fleischstann" lag das Gepökelte, im Räucherkämmerchen hingen die Schinken und die Dauerwürste, an den Wurststangen die Wintermonate hindurch die ovalen Blut- und Leberwürste sowie die Heinzelmännchen. Der Januar hat 31 Tage, doch wir Bauern sorgten vor. Auf allen Speichern lagerte Weizen und Korn für Mehl, aus dem wir Brot und Kuchen backten. Wir hatten Hafer und Gerste für das Vieh, in den Kellern lagen Kartoffeln und "Kritz" für die Schweine. Die Kühe gaben jeden Tag frische Milch, somit wurde auch Butter gestoßen oder geleiert. Tags darauf aßen wir "Boddermilischsopp med Sultaline"! Die Bohnäpfel hielten sich am längsten frisch in den Holzkisten. Unter der Kellertreppe standen Gläser mit eingemachten Kirschen, Zwetschgen und Mirabellen. Bei den Kirschen zeigte sich sehr oft unten ein Satz aus hellen Würmchen. Die wurden ausgesiebt. Vor dem Krieg gab es in der kalten Zeit in Niederburg Salzheringe aus einer Tonne zu kaufen, in die sich manchmal ein neugieriges Mäuslein verirrt hatte. Da waren wir auch nicht zimperlich. Nach dem Krieg wurden "Quellmänner med sauere Fisch" ein Festessen.

Wir hatten viel mehr Zeit, da sie nicht so ausgefüllt war wie heute. "Backmanne" und Körbe wurden geflochten, sogar die Schienen aus Haselnussstecken selbst geschält und gekocht. Die Kinder fuhren durch das ganze Dorf Schlitten. Die "Lenkbaren" wurden selbst gebaut. Und die Erwachsenen gingen "maje". Sie trafen sich in unterschiedlichen Grüppchen in den Häusern zum Stricken, Spinnen und Erzählen. Da sparten sie an manchen Abenden Holz und Elektrizität daheim und hatten sich bei den anderen gut unterhalten. Es hört sich an wie ein Märchen, aber vor gut 50 Jahren war es noch so.

Gemeinsamkeit war ein wichtiges Gut: Aus jedem Haus half im Winter jemand Schnee schippen, damit vor allem in der Dunkelheit der Weg besser gefunden wurde. Einige, die oft nachts von der Arbeit an der Bahn oder vom Schiff ins Dorf zurückkehrten, hatten Karbidlampen mit einem Band am Kopf befestigt, das war ein großer Luxus. Ein Pfahlreißer für die Wingertspfähle kam gegen Ende Januar, denn mit jedem neuen Tag, auch wenn er noch so grimmig kalt war, rückte die Saison der Wingertsarbeit näher. So wie die Natur sich auf das kommende Jahr vorbereitete, tat es auch der Bauer. Doch im übrigen war der Januar derjenige unter den Monaten mit der größten Ruhe für Mensch, Tier und Natur.

© Gerda C. Heidelmann