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125 Jahre Heiligenhäuschen Niederburg

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Seit 125 Jahren steht etwas außerhalb von Niederburg eine kleine, in Bruchstein gebaute Kapelle, die der schmerzensreichen Gottesmutter gewidmet ist. Damals erbaute der Niederburger Peter Muders diese Kapelle für seine Familie und im Gedenken an seine verstorbene Frau.

Schon vorher, so wissen es Erzählerinnen und Erzähler, gab es am Weg nach Birkheim einen Bildstock, an dem die Vorbeikommenden rasten und ein kurzes Gebet sprechen konnten.

Die Verkehrsadern waren nicht wie heute mit schweren Maschinen quer durch unebenes Gelände bau bar, man nutzte natürliche Gegebenheiten und passte die vorhandenen Hindernisse mit einfachen Mitteln an. Alte Karten weisen Wege vom Rhein aus St. Goar und Oberwesel kommend in den Raum Birkheim – Pfalzfeld, Badenhard in Richtung Halsenbach und über das Aldegundismarktgelände nach Lingerhahn und in Richtung Kastellaun aus.

Hier erbaute Peter Muders an der Weggabelung, so erzählten es Familienangehörige, die Kapelle nach dem Tod einer Ehefrau, die bei der Geburt eines Kindes verstorben sei.

Seither wird die Kapelle von Niederburgern und vielen Rat – und Hilfe Suchenden aufgesucht. Über Jahrzehnte war die Kapelle in die Fronleichnamprozession eingebunden und Marien- Dank- und Bittprozessionen führten und führen heute noch dort hin.

Bei der Renovierung der Pfarrkirche in den Jahren 1951 – 1952 wurden die Figur des Heiligen Stephanus und Teile des Altars im Heiligenhäuschen untergebracht.

Im Jahr 1972 wurde die Kapelle einer umfassenden Renovierung unterzogen. Die Aktiven des Heimatvereins und Helfer aus der Gemeinde renovierten das Gebäude von Grund auf. Das Gebäude und der Außenbereich wurden neu angelegt. Bei den Arbeiten wurde in der Dachverschalung eine Pieta aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert gefunden. Günter Friesenhahn war es vergönnt, diese Figur als Erster wieder zu entdecken. Nach aufwändigen Renovierungsarbeiten konnte diese Figur im Jahr 1974 wieder in der Pfarrkirche vorgestellt werden.

Seit dieser Zeit renovieren immer wieder Familien oder Zusammenschlüsse von Niederburger Bürgern die Kapelle. Viele lösen damit Versprechen ein, die in schwerer Zeit in der Kapelle gegeben wurden. Oftmals sind persönliche Probleme, Ratlosigkeit und Nöte, aber auch die Freude über wieder gewonnene Gesundheit und Selbstsicherheit Anlass zum Besuch des stillen Ortes. Immer leuchten Kerzen, fast nie erlöschen die Lichter. Da begegnet dem Beobachter manches Rauhbein nachdenklich, manch sonst Besonnener nimmt zwei Treppenstufen mit Schwung und Freude. Nicht wenig überrascht ist man, wenn man von Menschen auf das Heiligenhäuschen angesprochen wird, die keine Niederburger sind. Nachgefragt, wo die Detailkenntnisse herkommen, erhält man oft zur Antwort, dass diese Männer und Frauen, egal ob und welcher Religionsgemeinschaft sie angehören, in persönlichen Anliegen in dem kleinen Haus Ruhe und Kraft finden für viele Probleme des Alltags.

Seit mehr als 30 Jahren pflegt Frau Maria Muders unauffällig, aber immer zuverlässig die Kapelle und versorgt Altarraum und Kapelle Sommer und Winter mit frischem Blumenschmuck. Sie tut dies ohne jegliche Aufforderung und immer mit der von ihr gewohnten Zuverlässigkeit. Der Dank gilt aber auch allen, die diese Arbeit seit Jahren mit Kräften unterstützen.

In den vergangenen Jahren wurden hier immer wieder Handwerkerleistungen mit hohem Engagement und Zeitansatz aufgewandt.

Ein kleiner Vorfall in den vergangenen Wochen mag die Verbundenheit der Menschen zu dieser kleinen Kapelle verdeutlichen: Mehrere Freiwillige waren bei der Erneuerung der Außenanlagen um das Heiligenhäuschen zu Gange. Laute Maschinen und Aggregate unterstützten die Arbeit. Eine größere, geführte Wandergruppe traf unterdessen an der Kapelle ein. Der Wanderführer holte seine betagte Trompete aus dem Rucksack. Die freiwilligen Arbeiter stellten ihre Arbeit ein, Maschinen und andere Geräusche verstummten. Der Wanderführer stimmte mit seiner Trompete ein Marienlied an. Die Wanderer und die Arbeiter sangen gemeinsam den Mariengruß mit. Zuhörer berichteten von ihrer eigenen Ergriffenheit und von dem Wohlgefühl, das Lied, Wald, Natur und Echo erzeugten.

Ein Vorbereitungsteam, bestehend aus Mitgliedern des Pfarr- und des Ortsgemeinderates, hatte den Bischof zu dem Jubiläum der Kapelle eingeladen. Hocherfreut wurde die Zusage aufgenommen, dass Bischof Dr. Reinhard Marx an einer Prozession am Dienstag, den 5. Juni 2007 um 19:00 Uhr teilnimmt. Beginnen wird die Prozession in der Pfarrkirche, danach setzt sich der Zug über die Ringstrasse zum Heiligenhäuschen in Bewegung. Dort wird Bischof Dr. Reinhard Marx eine Andacht mitgestalten.

Mit zur musikalischen Umrahmung der Prozession werden die Rot Weiß Dorfmusikanten unter der Leitung von Anton König beitragen. Die Niederburger Feuerwehr wird für die Sicherheit der Prozessionsteilnehmer sorgen und die Straßen entsprechend absichern.

Nach Prozession und Andacht findet im Mehrzweckgebäude eine Stunde der Begegnung statt. Alle Prozessionsteilnehmer sind zu einem kleinen Imbiss eingeladen. Gertränke stehen ebenso zur Verfügung.

Eingeladen zu Prozession, Andacht und anschließender Stunde der Begegnung sind alle Freunde der kleinen Kapelle und alle, denen eine Stunde der Besinnung und der Ruhe gut tut.

Hermann Josef Klockner, Ortsbürgermeister